Über der Welt

Leben

Ich bin ein schrecklicher Morgenmuffel. Ohne meine mindestens 8 Stunden Schlaf bin ich so genießbar wie ein Käsebrot, das zu lange in der Sonne lag. Bin ich zu müde, dann geh mir aus dem Weg. Ist mir außerdem noch kalt, dann geh mir schnell aus dem Weg. Und wenn ich zu all dem Übel auch noch gleichzeitig hungrig bin, dann lauf um dein Leben! Früh aufstehen, das ist nicht meins. Das weiß ich und das weiß meine Umwelt. Ich glaube, so manch einer kann da aus Erfahrung sprechen. Nehmt´s bitte nicht persönlich, ihr Lieben …

Ich habe jedoch die Hoffnung aufgegeben, dass der frühe Vogel und ich jemals Freunde werden. Wir haben einfach zu viele Differenzen. Und außerdem mag ich eh keine Würmer.

Schon immer haben mich die Auserwählten fasziniert, die mit ihrem Wecker nicht auf Kriegsfuß stehen. Der erlesene Kreis all jener, die morgens um 5 wie ein junges Reh aus dem Bett springen, nach nur wenigen Minuten im Badezimmer aussehen, wie der frische Frühling und dann strahlend zur Arbeit laufen. Ganz ohne Kaffee. Gegen diese Energiefeuerwerke komme ich mir manchmal vor wie ein jämmerliches Flämmchen, mit dem ich mir nicht mal die Hände wärmen könnte.

Und gäbe es da nicht diesen einen Moment, der täglich mein Feuer entfacht, würde ich wohl stets noch vor dem Nachmittag erlöschen. Es gibt eine Zeit des Tages, die holt mich aus meiner Höhle und streichelt mir das zerzauste Muffelhaar. Dass ich deswegen mit Leichtigkeit aus den Federn komme, wäre zu viel verlangt. Aber dieses kleine bisschen Magie hilft mir erheblich bei dem Start in den Tag. Die Rede ist an dieser Stelle nicht etwa von fraglichen Pülverchen und Mittelchen, sondern vielmehr von einem Zaubermoment, der mich jedes Mal aufs Neue staunen lässt, welch unbeschreibliche schöne Geschenke Mutter Natur für uns bereit hält.

Wenn das erste Feuer der Morgensonne das Dunkelblau der Nacht durchbricht, geschieht etwas zwischen Himmel und Erde, das alles zum Prickeln bringt. Während die Welt schläft, stehe ich fasziniert an der Fensterscheibe, die noch vom nächtlichen Frost überzogen ist. Es geht recht schnell und wenn die Haustür hinter mir ins Schloss fällt, scheint die Sonne, als wäre nie etwas geschehen. Aber ich fühle mich dann besonders. Als wäre ich Teil einer geheimen Zeremonie gewesen, die der Rest verschlafen hat. Vielleicht stehen ja sogar noch andere im Schlafanzug vor dem Fenster, die so sind wie ich. Die aus dieser Stille ihre Kraft für den Tag ziehen. Und die sich so fühlen, als ständen sie über den Dingen, während die Welt schläft.

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