Kurzurlaub im Wunderland

Leben

Musik an – Welt aus. Worte, die in diesen Tagen wieder zum Sommer-Mantra vieler junger und jung gebliebener Menschen weltweit werden. Wenn die Sonne brütend heiß vom Himmel sticht, die Hosen immer kürzer werden und nur Wasser die Erlösung bringt, öffnen zahlreiche Festivals ihre Pforten für einen Kurzurlaub im musikalischen Wunderland. Auf dem Programm stehen Gruppenkuschelzeremonien in verschwitzten Menschenmengen, kulinarische Köstlichkeiten aus der Dose und erholsame Zeltnächte in trauter Nachbarschaft. Im Preis inbegriffen sind Sonnenbrand, Schlaflosigkeit, der Kater danach und eine neue Erfahrung der Körperhygiene. Meistens ist ein Urlaub nach dem Urlaub empfehlenswert. Wer die Ironie der letzten Sätze bemerkt hat, fragt sich jetzt vermutlich; Warum tut man sich so etwas freiwillig an?!

Nunja, ich muss zugeben, dass auch ich mir diese Frage schon mal gestellt habe, als ich mit sonnenverbrannter Haut und alkoholbedingtem Übelkeitsgefühl ein Wasser-Sand Wäsche-Gemisch aus meinem Rucksack gezogen habe. „Nie wieder mache ich so einen Quatsch“, habe ich mir gesagt. „Ich bin sowieso schon zu alt dafür“, habe ich gedacht. Und ein halbes Jahr später habe ich die nächsten Tickets bestellt. Für einen Kurzurlaub im Wunderland.

Ich glaube, man kann die Faszination die von einem Festivalbesuch ausgeht, nie ganz verstehen, wenn man sie nicht selbst erlebt hat. Das Gefühl, Teil einer ganz besonderen Party zu sein. Die Beats und Bässe, die dich auf Schritt und Tritt fesseln. Und die Lebensfreude, die nonstop durch deine Adern pulsiert. Wer braucht schon Schlaf, wenn immer und überall Musik die Luft vibrieren lässt? Wer braucht schon richtige Duschen, wenn der See zum Gruppenpool wird? Und wen kümmert es eigentlich, wie verschwitzt und fertig du nach drei Tagen aussiehst? Ein Lachen ist tausendmal schöner als perfektes Make-Up und außerdem sitzen wir doch eh alle in einem Boot. Auf einem Partydampfer in Richtung der vielleicht besten Zeit unseres Lebens.

Zugegeben, Festivals sind wahrscheinlich nichts für Pauschaltouristen oder Luxusurlauber. Die materiellen Anforderungen sollten zur eigenen Sicherheit runtergeschraubt werden und manche Dinge, die dort passieren, müssen einfach in der Kategorie „Lebenserfahrung“ verbucht werden.

Wer aber auf das Leben anstoßen möchte, mit dem erhebe ich schon bald wieder das Glas am Einweggrill. Und dann machen wir die Welt aus und die Musik an.

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