Hej Hej

Leben, Unterwegs

Oder: Eine Woche Stockholm to go.

Zuerst war es nur so eine Ahnung. Ein paar Hinweise hier und da – kein auffälliges Muster. „Das kann auch Zufall sein“, redete ich mir ein. Doch der Gedanke nagte an mir und ließ mich nicht mehr los. Aber wenn ich Recht hatte mit meiner Vermutung, wie sollte ich sie nur begründen können? Ist es ein natürliches Phänomen? Eine Gesetzmäßigkeit? Nur eine Phase oder gar eine Verschwörung? Mittlerweile kann es fast kein Zufall mehr sein und ich glaube, mit immer stärker werdender Sicherheit sagen zu können:

Alle fahren nach Schweden.

In einer Welt, in der Hipster die neuen Trendsetter sind, Jutebeutel die Gucci-Taschen abgelöst haben und Teilen das neue Haben ist, steht Stockholm höher im Kurs als der Ballermann. Skandinavische Idylle statt New Yorker Großstadtdschungel. Ich weiß nicht, ob man es wirklich versteht, wenn man nicht selbst da war. Wenn man nicht diese wundervolle Mischung aus erholsamer Ruhe und sprudelnder Lebenslust gespürt hat, die in jedem Winkel funkelt und nur darauf wartet, sich auszubreiten. Ich habe versucht ein bisschen dieser schwedischen Magie einzufangen. Eine letzte Woche voller Sommer, bevor der Herbst es sich bei uns wieder gemütlich macht. Viel Spaß mit meinem persönlichen Reisebericht…

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8 Gründe, warum es sich lohnt nach Stockholm zu fahren

Meine Mutter und ich planen alle zwei Jahre unseren traditionellen Frauenurlaub. Eine Woche Wasser, Wellness und Weiberkram. Eben alles, was Frau in den Ferien so mag. Dieses Jahr sollte es eigentlich eine Städtereise nach Wien werden. Das Programm stand eigentlich schon fest, als ich diesen Artikel in einer meiner Zeitschriften – natürlich ein Frauenmagazin – fand. „8 Gründe, warum es sich lohnt nach Stockholm zu fahren“ war der Titel.

Stockholm.

In mir regten sich plötzlich vergrabene Urlaubsträume. Ich wollte schon immer mal nach Stockholm. Das einzige, was ich bis dahin von dieser Stadt kannte, war ihr Flughafen. Im Eiltempo, weil wir damals umsteigen mussten. Man könnte es auch dieser Phase meiner Generation zuschreiben oder dem Frauenkäseblatt in meiner Hand. Doch egal, warum; Ich war auch einer von denen. Wir fuhren nach Schweden.

Über den Dächern

Am ersten Abend ging es für uns direkt hoch hinaus. Eine geführte Dachwanderung über das Stockholmer Gerichtsgebäude, fantastischer Ausblick inklusive. Bei einer Höhe von 40 Metern und einem „Gehweg“ mit der Breite eines 30cm-Schullineals wurde mir zwar kurzzeitig etwas mulmig zumute, aber letztlich gewann dann doch das „Ahhh“ und „Ohhh“ und „Schau mal da!“. Stockholm wirkt von oben wie ein bizarrer Mix aus romantischer Altstadtkulisse und modernen Glasbauten. In dem einen Viertel weht New Yorker Großstadtflair durch die Straßen, hinter der nächsten Kreuzung wartet eine venezianische Brückenlandschaft und dann sieht es plötzlich wieder aus wie in Berlin. Stockholm ist eine Stadt aus Städten.

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Postkartensuche

Das Meiste haben wir uns zu Fuß, per Fahrrad und bei größerer Erschöpfung mit der Straßenbahn selbst erschlossen. Die Faltkarte aus dem deutschen Reiseführer blieb dabei stets das wichtigste Utensil. Natürlich haben wir auch ein, zwei typische Touristen-Sightseeing-Touren abgehakt, aber nur um eine grobe Orientierung zu bekommen. Die wahren Schätze verstecken sich dort, wo Umwege und ungewollte Abkürzungen hinführen. Wie auf einem Abenteuerspielplatz liefen wir mit leuchtenden Augen durch die Gassen, nur um kurze Zeit später auf die nächste wundervolle Kulisse zu stoßen. Schwedenmagie lässt grüßen. Deswegen ist es auch nicht sonderlich tragisch, dass wir in einer Woche nicht alle berühmten Sehenswürdigkeiten besichtigt haben. Dafür gibt es Postkarten am Kiosk. Ich mache jedoch lieber meine eigenen.

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Wildnis um die Ecke

Wer nach Schweden fährt, kommt definitiv nicht umhin die skandinavische Natur zu bewundern. Und so haben auch wir der Hauptstadt für einen Tag den Rücken gekehrt und sind mit dem Boot raus ins nahegelegene Archipelago gefahren, ein Naturschutzgebiet bestehend aus mehreren Hunderten von großen und kleinen Inseln. Für einen Tagesausflug ab Stockholm ist Grinda sehr gut geeignet, weil es sich in weniger als 2 Stunden zu Wasser erreichen lässt. Auf dem Weg dorthin geht es an zahlreichen typisch schwedischen Häusern vorbei, deren Gärten zum Teil aus einer eigenen Insel bestehen. Das eine traumhafter als das andere. Wenn ich älter bin und im Lotto gewonnen habe oder mit einem gut betuchten Schweden befreundet bin, möchte ich auch einmal so wohnen. Träume darf man ja haben.

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Feierabendromantik

Am vorletzten Abend unserer Reise wollten wir unbedingt noch Gröna Lund besuchen, eine Art stationäre große Kirmes und beliebtes Feierabendziel vieler Stockholmer. Zwar haben wir letztendlich keines der Fahrgeschäfte genutzt, dafür aber den wohl zauberhaftesten Sonnenuntergang des ganzen Urlaubes genossen. Und da war sie dann ganz plötzlich. Inmitten des Losbudentrubels, der lachenden Menschen, der lautstarken Gewinnanpreisungen, der ratternden Achterbahnen und der musikalischen Reizüberflutung breitete sich eine Ruhe in mir aus, die so warm war, wie das Leuchten des Wassers in der untergehenden Sonne. Und ich verstand sie, diese Phase meiner Generation. Wenn zu Hause alles immer schneller und lauter wird, sehnen wir uns danach, einmal durchatmen zu können. Da hilft dann kein Ballermann und kein New York City. Dann fährt man nach Schweden.

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Zimtschnecken zum Schluss

Die Woche in Stockholm flog vorbei, wie im Zeitraffer. Der letzte Tag stand schon vor der Tür und ich hatte das Gefühl, immer noch auf den Dächern zu stehen. Zum Schluss holten wir noch einmal tief Luft mit einem entspannten Sonntagsbummel über den Hornstulls Marknad, ein wöchentlicher Flohmarkt direkt am Wasser und anschließendem Sonne tanken im gemütlichen Park. Ein Tag, der schwedischer nicht hätte sein können.
Und als wir inmitten der vielen jungen Familien und mehreren Generationen auf der Wiese die Seele baumeln ließen, fühlte ich mich so gar nicht mehr wie ein Tourist in dieser Stadt. Wir haben uns in jedem Augenblick unserer Reise ausnahmslos willkommen gefühlt und in mancherlei Hinsicht können wir uns auf jeden Fall noch eine Scheibe von den Schweden abschneiden. Noch nie habe ich ein Volk gesehen, dass so respektvoll und freundlich mit Anderen, der Natur und sich selbst umgeht. In den U-Bahnstationen findet sich kein Kaugummi auf dem Boden, der Busfahrer fährt erst los, wenn die Großmutter auch wirklich sicher sitzt und Touristen werden nicht als Fremde, sondern als Gäste wahrgenommen. In diesem Sinne hoffe ich, dass wir nicht nur alle nach Schweden fahren, sondern auch ein kleines bisschen von dort mitbringen. Ein bisschen mehr als Zimtschnecken.

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