Wie du bist

Leben

Die meisten Menschen, die vor meiner Kamera stehen haben die gleichen Gedanken. Sätze wie „Ich kann sowas doch gar nicht“, „Ich weiß überhaupt nicht, was ich machen soll“ und „Ich bin wahrscheinlich eh total unfotogen“ zerstreuen schnell die erste Euphorie. Hinzu kommen die perfekten Bilder der Marke Elfenkleid und Lockenpracht, die sich seit dem vorabendlichen Internetmarathon – „Ich brauche nur ein bisschen Inspiration“ – in den Hinterkopf gebrannt haben.

Und plötzlich wird dir bewusst, dass du gar nicht so feengleich bist, wie du auf deinem neuen Profilbild eigentlich sein wolltest. Zu viele Problemzonen, zu viel Unsicherheit.

Als Fotografin ist es meine Aufgabe Momente zu kreieren, an die du dich später noch gerne erinnern möchtest. Augenblicke, die du irgendwann mit deinen Enkelkindern teilen wirst. Ein eingefangenes Stück Lebenszeit. Wie lässt sich das aber mit deinem kleinen Zweifelgeist im Kopf vereinbaren? Dieses fiese Geschöpf, das dich immer genau dann ausbremst, wenn du auf dem besten Wege bist, du selbst zu sein. Mit meinen Fotos halte ich dir gewissermaßen einen Spiegel vors Gesicht. Ich zeige dich im schönsten Licht, aber fernab von all den unnatürlichen Photoshopzaubereien. Manchmal ist der Zweifelgeist noch ein bisschen darauf zu erkennen, aber meistens ist er still. Gegen die Schönheit des Augenblicks hat er nichts mehr entgegenzuhalten.

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Und plötzlich verstehst du, warum du nicht im weißen Kleid durch blühende Wiesen hüpfst – Es hätte einfach nicht zu dir gepasst. Vielleicht hätte es dennoch gut ausgesehen. Aber wegen dem Kleid und den Blumen und dem Wind. Nicht wegen dir. Du hättest deinen Enkelkindern nicht sagen können „So war eure Oma“, denn so war sie nur für das Foto. Ich glaube, dass ich wohl nie als Studiofotografin geeignet wäre. Perfekte wiederholbare Arrangements in perfekt künstlichem Licht liegen mir einfach nicht. Ich bin auf der Suche nach Geschichten, nach dem echtem Leben und diesem einen Zaubermoment, in dem einfach alles stimmt. Und bis jetzt konnte ich ihn jedes mal finden, wenn ich wieder ein neues Gesicht durch meine Linse sah. Dann war alles auf diese besonders unperfekte Art und Weise perfekt und du warst, wie du bist.

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Ich danke einem besonderen Menschen und seinem ruhigen Begleiter für das Vertrauen und die Momente, die ich mit euch teilen durfte. Außerdem ein großer Dank an die beste Mutti der Welt.

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8 Gedanken zu “Wie du bist

  1. Ich freu mich schon auf mein Shooting mit meinen Liebsten💓 deine Texte sind einfach super schön und so lebensnah. Lieblingsfotografin.

    Kathy.

  2. Bin sehr stolz auf Dich 😘

    Ein tolles Shooting, ein sehr toller Text der zum Nachdenken anregt 😀

    Liebe Grüße an die Fotografin, die Ihren Weg so zauberhaft geht ❤️

    FP

  3. Liebe Lena, ein wundervoller Text.
    Der Tag mit dir und Mutti… und natürlich Jessi und meinem ruhigen Begleiter werde ich so schnell nicht vergessen…..Weil er wunderschön war.
    Ich danke dir für die super schicken Bilder 🙂

    Lg

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