Wege

Gedanken, Leben

In den allermeisten Fällen sind sie für uns völlig unergründlich. Das Wie und Warum der verschlungenen Pfade, die uns irgendwie zur richtigen Zeit an diesen besonderen Ort geführt haben, ist uns mehr als schleierhaft. Dennoch glaube ich, dass es so eine Art von Ordnung in diesem Wirrwarr aus Abzweigen, Umwegen und Sackgassen gibt. Sie ist nur zu groß für die menschliche Logik.

Es gibt gute Gründe, die dafür verantwortlich sind, dass wir dort stehen, wo wir zurzeit hingehören. Und dafür, dass wir nicht stehen bleiben. Selbst wenn alles auf uns einprasselt wie ein stürmischer Sommerregen, halten sie uns auf Kurs. Und ich meine nicht diese schöne Sorte Sommerregen, die nach einem heißen Tag die angenehme Abkühlung verspricht und die Luft zum duften bringt. Ich rede von den eisigen Tropfen, die hart und unerwartet zu Boden stürzen. Diese Art von Regen, die sich viel zu sehr nach Herbst und Winter anfühlt, obwohl es gerade erst Juli geworden ist.

Auch diese Wetterumschwünge sind zu komplex, als dass wir sie je mit unserem mageren Wissen über die Welt zu fassen bekommen würden. Wir spüren nur, dass wir nass werden, während die Kälte in unsere Glieder dringt. Womöglich würden wir uns hoffnungslos im Sturm verlaufen, wären da nicht diese Lichter am Horizont. Wie ein unerschütterlicher Leuchtturm weisen sie uns die Richtung und erinnern uns an das fast vergessene Strahlen der Sommersonne. Die Lichter sind unsere Gefährten auf dieser Reise, unsere Wegbegleiter.

Von Zeit zu Zeit verblassen manche von ihnen. Sie gehen einfach so aus, ganz ohne Vorwarnung. Andere beginnen gefährlich zu flackern und ein paar seltene Exemplare entpuppen sich als verlockende Irrlichter, die uns in die nächste Sackgasse führen wollen. Die meisten Strahlen sind jedoch zuverlässige Richtungsweiser in diesem Chaos aus Wegen und Wolkenbrüchen. Wir können uns auf sie verlassen, egal wie tief die Dunkelheit mitten im Sommer auch werden mag. Noch so eine Sache, die wir einfach nicht verstehen.

Mittlerweile habe ich aufgehört zu fragen. Ich zerbreche mir nicht mehr den Kopf über die Dinge, die ich nicht erklären kann. Warum führen Umwege manchmal schneller zum Ziel? Wieso hören die hellsten Lichter urplötzlich auf zu leuchten, während die kleinen Funken ein ganzes Feuerwerk entfachen? Wo stehe ich, in welche Richtung gehe ich, warum fallen manche Schritte so schwer? Und wieso um alles in der Welt gibt es einen Winterregen im Juli? Ich glaube, wir sind meilenweit davon entfernt, die richtigen Antworten zu finden. Aber vielleicht müssen wir das auch gar nicht. Eventuell ist es einfach das Beste, nicht stehen zu bleiben und dem Leuchtturm zu folgen. Und auf diesem Weg die verirrten Wesen einzusammeln, deren Kleider bereits durchnässt sind. Denn auch wir selbst können Gefährten sein, Begleiter auf der Reise. Wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwo da draußen ein paar Wanderer, die genau unserem Leuchten hinterherlaufen.

Es gibt gute Gründe für die Wege, die wir gehen. Hin und wieder erscheinen sie uns völlig irrsinnig und lächerlich. Viel zu oft werden wir auch stolpern oder den Kurs ändern. Aber auch wenn wir all das wahrscheinlich nie verstehen, dürfen wir Eines auf keinen Fall vergessen: Wir machen keinen einzigen Schritt im Leben alleine. Auch nicht, wenn es regnet.

 


Diesen Text möchte ich all meinen lieben Weggefährten widmen, die mir so unendlich viel bedeuten. Danke, dass ihr meine Lichter in der Dunkelheit seid und mir die Sonne zurück bringt, wenn der Sturm zu stark wird. Lasst uns für immer zusammen leuchten! 

 

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