Frühstücksträumer

Geschichten, Leben

Wir leben in einer Welt, in der alles möglich ist. Fast alles. Wenn du Zeit hast. Und Geld. Vor allem Geld…

Ich muss an dieser Stelle dringend mal etwas los werden. Den Zweiflern zuliebe. Für die  Träumer, die gegen Wände laufen, die großen Helden, die sich immer kleiner machen und für die Kinder, denen ich irgendwann mal diese Welt erkläre. Vor allem aber sind diese Worte für mich. Für meinen Sturkopf, der viel öfter mal über den Tellerrand schauen müsste. Worauf wartest du? 

Es ist der stille Morgen nach einer besonderen Nacht. Wir sitzen noch im Schlafanzug am Tisch eurer kleinen WG-Küche. In unserer Hand eine dampfende Kaffeetasse und in der Luft diese Frage, die du gestellt hast.

Was würdest du machen, wenn Geld keine Rolle spielen würde? 

Eine Frage, die ich schnell beantworten kann. Ich würde reisen, die Welt und die Zeit mit meiner Kamera festhalten und Bücher schreiben. Ja, wenn der Kontostand reine Nebensache wäre, würde ich wilde Tiere retten, neue Orte entdecken und meinen Kindern das Leben zeigen. Ich habe ein Glitzern in den Augen, als ich mir an diesem Morgen meine Träume ausmale.

Du sitzt mir gegenüber und bist auch eine Träumerin. Dein Herz schlägt für vergrabene Schätze aus der Vergangenheit und wenn du könntest, würdest du aus deiner Begeisterung einfach ein neues Studium machen. Doch dann nehme ich einen Schluck von meinem Kaffee und weiß, dass es nur bei unserer Frühstücksfantasie bleiben wird. Ich werde studieren, um nachher Geld zu verdienen, damit ich gut leben kann. So macht man das eben. Große Träumereien passen nicht ins Konzept. Zu teuer, zu mutig. Wer nicht gerade im Lotto gewonnen hat oder als Millionärstochter geboren wurde, muss sich mit stillen Wünschen zufrieden geben.

Letzte Nacht waren wir noch am Rheinufer. Gemeinsam mit tausenden anderen Menschen haben wir die Wunderkerzen funkeln lassen und das gigantischste Feuerwerk bewundert, das ich je gesehen habe. Eine ganze Stadt hat geleuchtet und für einen Moment schien alles wieder möglich. Jedes einzelne Licht sah aus wie das Glitzern eines kleinen Traums und zusammen brachten sie das Ufer zum glühen. Die Raketen sprühten über unseren Köpfen die wildesten Funken, doch hier unten standen wir inmitten eines noch größeren Feuerwerks. Einem Feuerwerk aus Träumen.

Was ist innerhalb der letzten wenigen Stunden nur passiert, das uns zurück in unsere Frühstücksrealität gebracht hat? Wo sind die Hoffnung, die Leichtsinnigkeit und das Glitzern in unseren Augen geblieben? Ja ich weiß, das waren nur einfache Wunderkerzen. Ja ich weiß, wir sind nicht reich, sondern sitzen nur an einem kleinen Tisch eurer liebevollen WG. Und ja ich weiß, wir können nicht einfach alles stehen und liegen lassen und unsere Träume leben.

Oder doch?

Vielleicht sollten wir mutiger sein. Vielleicht sollten wir mehr auf unser Herz hören. Vielleicht sollten wir endlich unsere bequeme Wohlfühlzone verlassen und uns voller Wahnsinn und Lebensfreude in diese Welt stürzen. Und vielleicht sollte ich die ganzen fadenscheinigen Einschränkungen vergessen und die letzten 4 „vielleicht“ aus diesem Text streichen.

Denn wir leben in einer Welt, in der alles möglich ist. Wir brauchen nicht viel Zeit oder Geld, um über diesen verflixten Rand des Tellers zu gucken. Wir brauchen nur Wunderkerzen, ein gutes Gespräch am Frühstückstisch und eine dicke Portion Mut. Worauf wartest du?

 


Das Foto und die Idee zu diesem Beitrag entstand bei den Kölner Lichtern 2017, eine unfassbar tolle Veranstaltung, die sich keiner entgehen lassen sollte.  

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