Ein Häschen auf Reisen

Leben, Unterwegs

Ich habe einen Flug gebucht. Ende Dezember geht es für mich nach Krakau, einer unbekannten Stadt in einem Land, in dem ich noch nie gewesen bin. Das wird zwar nicht meine erste Reise sein, aber trotzdem kribbelt es schon jetzt in meinem Bauch, als wären dort tausend Schmetterlinge zuhause. Ich bin kein Abenteuerlöwe mit einem siebten Entdeckersinn. Das war ich noch nie. Ich bin vielmehr ein Heimweh-Häschen, das seine gemütliche Höhle stets der wilden Welt da draußen vorziehen würde. Und nun packe ich bald die Koffer, um mit einer meiner liebsten Freundinnen völliges Neuland zu erkunden.

Annelie ist jetzt schon fast zwei Monate weg, um an einer polnischen Uni neue Erfahrungen und Leistungspunkte zu sammeln. Ich habe bisher nicht wirklich über ein Auslandssemester nachgedacht. Auch nach dem Abitur sträubte sich alles in mir gegen dieses berühmte Jahr am anderen Ende der Welt. Wieso sollte ich ganz allein in die Ferne fliegen, wenn ich schon in der nächsten Großstadt ein vollkommen neues Leben finden kann? Vielleicht habe ich einfach nicht den Mut dazu auf große Selbstfindungsreise zu gehen. Vielleicht stört mich aber auch die Tatsache, dass dieser Trip mittlerweile als notwendiger Bestandteil des Lebenslaufes verstanden wird.

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Auslandserfahrung steht heutzutage ganz weit oben auf der Liste für die besten Karrierevoraussetzungen. Wer nicht mindestens ein Praktikum in Down-Under oder ein Work-and-Travel-Erlebnis quer durch den asiatischen Kontinent vorzuweisen hat, macht sich direkt uninteressant. „Du musst über den Tellerrand schauen“, „Das Leben beginnt erst außerhalb deiner Wohlfühl-Oase“ – Weisheiten wie diese begegnen uns jeden Tag. Ein bisschen verstehe ich den Grundgedanken ja auch. Es ist hin und wieder wichtig, die Perspektive zu wechseln, Neues zu entdecken und manche Dinge so in ein anderes Licht zu rücken. Aber verstehen wir wirklich erst, wie das Leben funktioniert, wenn unser Reisepass voller Stempel ist? Und ist es vielleicht nicht doch ok, wenn mein liebster Platz in einer Welt voller Reisejunkies immer noch das gute alte zu Hause ist?

Das Häschen muss bald über seinen Wohlfühl-Schatten springen und den vertrauten Boden verlassen. Die Belohnung für diesen Mut werden allerdings überraschende Begegnungen, spannende Orte und unvergessliche Geschichten sein. Ich werde alte Freunde endlich wiedersehen und ein paar Neue dazu gewinnen. Mit einer Kamera voller Erinnerungen werde ich wiederkommen. Ich werde über die nächsten Urlaube und vielleicht sogar ein Auslandssemester im Masterstudium nachdenken. Ich werde mich ein bisschen mutiger fühlen. Aber vor allem werde ich mich auch darüber freuen, wieder zu Hause zu sein.

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