Kapitel 2: Ein Leben zwischen Planung, Papieren und Packlisten

Alaska-Expedition, Unterwegs

Der Traum ist das Eine, die konkrete Planung definitiv was Anderes…

Diese Worte beschreiben zurzeit sehr treffend die Vorbereitungen unserer Alaska-Expedition. Nachdem ich gestern meinen letzten Tag im Praktikum absolviert habe, kann ich mich nun voll und ganz der Planung jenes Abenteuers widmen, welches bereits in 3 Wochen starten soll. Das bedeutet: Reiseführer wälzen, Routen berechnen, Checklisten erstellen und mit Sicherheit doch irgendwas vergessen. Zwar steht der grobe Weg von Seattle bis hoch nach Deadhorse schon lange fest, die vielen Zwischenstopps, besonderen Highlights und wichtigen Übernachtungsmöglichkeiten müssen aber noch rausgesucht und auf der Karte markiert werden. Zudem gilt es jetzt, die einzelnen Distanzen zwischen unseren Wegpunkten zu ermitteln, um so abschätzen zu können, welche Ziele sich in den 3 1/2 Wochen wirklich realisieren lassen. Spätestens an diesem Punkt fragt sich mein anti-mathematisches Köpfchen hin und wieder leise, warum wir nicht einfach einen Pauschalurlaub gebucht haben. 

Willkommen im kleinen Planungswahnsinn!

Wie ihr wisst, erwartet uns auf der anderen Seite des Ozeans natürlich das komplette Gegenteil einer unkomplizierten Pauschalreise und das haben wir auch genau so gewollt! Aus diesem Grund haben wir schließlich schon vor gut einem Jahr mit den umfangreichen Vorbereitungen begonnen. Damit ihr einen Eindruck davon bekommt, was in den letzten Monaten alles passiert ist und welche Fragen uns die ein oder andere Nacht in den Schlaf gefolgt sind, haben wir im Folgenden mal einen Überblick des kleinen Planungsmarathons zusammengestellt…

Punkt 1: Das Auto und sein Umbau

Unser VW-Amarok „Amadeus“ ist generell eigentlich schon eine sehr gute Wahl für unser Offroad-Abenteuer in Alaska. Nichtsdestotrotz haben wir ein paar Dinge verändert und optimiert, um unseren treuen Begleiter noch robuster und verlässlicher zu machen. So wurde durch die Firma Seikel zum Beispiel das Fahrwerk höher gelegt, ein Unterfahrschutz für Motor, Getriebe und Hinterachse montiert, eine Offroad-Bereifung aufgezogen sowie ein Schnorchel angebracht, der es uns ermöglicht, durch bis zu 1,20m tiefes Gewässer zu fahren. Man weiß ja schließlich nie, welche Flüsse es letztendlich zu überqueren gilt… Dank der Firma Taubenreuther verfügt Amadeus zusätzlich über ein Zweitbatterie-System, das für die externe Ladung unserer vielen technischen Geräte wie Kamera, Go-Pro und Laptop essentiell wichtig ist. Ebenso wurde ein Doppelkompressor für den Luftdruckausgleich der Reifen angebracht, mit dessen Hilfe wir unseren VW-Amarok bestens auf jeden Fahrbahnuntergrund einstellen können. Zuletzt sorgte Taubenreuther noch für die richtige Dachgepäckträger- und Ladeflächen-Beleuchtung, damit wir auch in der nächtlichen Wildnis nicht im Dunkeln dastehen müssen. Ein so umfangreich ausgestattetes Auto muss allerdings auch cool aussehen. Deshalb hat die Firma Tommy-Werbung unserem Amadeus mit einer Folierung das passende Gewand für unsere Expedition verpasst. Nachdem wir in Eigenregie noch sogenannte Ram-Mount-Kugeln für die Befestigung von iPad, Garmin-GPS und Handy am Armaturenbrett installiert und das Dachzelt auf dem Gepäckträger verschraubt haben, wurde uns klar, dass Amadeus zum perfekten Begleiter unserer Alaska-Reise geworden war. Vielleicht fragt sich der Ein oder Andere jetzt, warum wir statt des aufwendigen Umbaus nicht einfach einen Geländewagen in Amerika gemietet haben. Die Antwort ist simpel: Finanziell hätte uns diese Möglichkeit nicht viel Geld gespart und obendrein wäre ein Mietauto hoch im Norden nicht mehr versichert gewesen. Uns wäre dadurch also ein wahnsinnig großes Stück der wertvollen Freiheit genommen worden, die von Anfang an ein wichtiger Teil unseres Traumes war. 

Punkt 2: Die Verschiffung

Nachdem wir uns also dafür entschieden hatten, die Reise mit unserem eigenen Auto anzutreten, lautete die wohl größte Frage: Wie kommt Amadeus nach Amerika? Da weder fliegen, noch fahren im Rahmen des Möglichen lag, blieb nur der Transport mit dem Schiff. Wieviel Aufwand ein solcher „Bootsausflug“ schlussendlich mit sich bringt, hätte ich zu Beginn der Planungen nie für möglich gehalten. Ich würde sogar behaupten, die Organisation der wichtigen Reise- und Verzollungs-Papiere hat tatsächlich die meiste Zeit unserer Vorbereitungen in Anspruch genommen. Denn für die Auslösung aus dem amerikanischen Hafen benötigt es einen eigenen Agenten, der die Gespräche und Formulare übernehmen muss. Was für uns wiederum viele englische Telefonate im Voraus nötig machte.

Punkt 3: Papiere und Behörden

Eine weitere Sache, die es zu bedenken galt: Nur weil das Auto auf amerikanischem Boden angekommen ist, bedeutet das noch lange nicht, dass wir es dort einfach so fahren dürfen. Die mit Abstand wichtigsten Dokumente neben unserem Reisepass sind zum Einen die Einreisegenehmigungen in die USA (ESTA) und Kanada (ETA) und zum Anderen der internationale Führerschein. Alles Dinge, die im Vorhinein beantragt und ausgestellt werden müssen. Zum Glück waren die nötigen Formulare aber schnell ausgefüllt und die Behördengänge unkompliziert abgewickelt. Fürs nächste Mal sollten wir uns allerdings merken, dass man den internationalen Führerschein ausschließlich in dem Amt beantragen darf, das für den eigenen Wohnort zuständig ist und eine kleine Ortsgrenze in diesem Zusammenhang plötzlich sehr entscheidend werden kann… Zuletzt sind natürlich auch die Flugtickets, eine Kreditkarte sowie der aktuelle Impfausweis plus Krankenkassenkarte unverzichtbar im Gepäck.

Punkt 4: Woher? Wie lang? Womit?

Der Startpunkt unseres Roadtrips wurde bereits durch die Verschiffung bestimmt, da das von uns gewählte Schiff in Seattle vor Anker geht. Welche Highways und Schotterpisten wir dann aber von da aus befahren, liegt ganz allein in unserer Hand. Zur besseren Planung haben mein Vater und ich unsere persönlichen „Big 5“ formuliert: Ziele, die für jeden von uns absolut unverzichtbar sind. Dazu gehört zum Beispiel das Ende des Dalton Highways hoch oben im Norden von Alaska, ein Besuch im Denali National Park oder auch die Bar in Dawson City, in der man als Mutprobe einen Schnaps mit einem abgetrennten Zeh drin trinken kann. Anhand dieser und noch weiterer Eckpunkte plane ich in den nächsten Tagen dann unsere konkrete Route und lege fest, wie viele Kilometer wir ungefähr pro Tag fahren sollten. Eine weitere Frage, die ebenso akut in meinem Kopf herumspukt ist die nach dem Gepäck. Insgesamt nehmen wir 2 Rucksäcke als Handgepäck, 2 Reisetaschen und 2 robuste Alu-Kisten mit in den Flieger. Was auf den ersten Blick nach viel Zeug zum Schleppen klingt, ist in Wirklichkeit streng begrenzter Stauraum, der wohl überlegt gefüllt werden sollte. Um die nötige Ausrüstung für körperliche oder technische Notfälle kommen wir allerdings nicht drum herum. Genauso wenig werden wir auf Camping-Zubehör, wetter- und kältefeste Kleidung sowie Kamera-Equipment verzichten können. Was am Ende aber tatsächlich in unseren Taschen landet, wird sich vermutlich erst einen Tag vor Abflug entscheiden…

Punkt 5: Hashtags und Geschichten

Ein wichtiger Teil unserer Alaska-Expedition sind schließlich die Bilder und Geschichten, die wir vor, während und nach der Reise mit euch teilen. Mein Vater und ich sind beide begeisterte Foto-Menschen und so war uns von Anfang an klar, dass unser Abenteuer durch eine Vielzahl an Bildern festgehalten werden soll. Als LICHTKIND ist es zudem meine Aufgabe und gleichzeitig auch Leidenschaft, das Erlebte in Worte zu kleiden, die unseren Lieben in der Heimat und auch allen anderen Interessierten das Gefühl geben, dabei zu sein. Der letzte Punkt unserer Vorbereitungen befasste sich also mit Social-Media-Plänen, Kooperationsabsprachen und ganz viel kreativem Chaos: Mein persönlicher Lieblingspart des Planungsmarathons. 

Während ich diese Worte schreibe, sind die größten Vorbereitungen bereits erledigt und die meisten Punkte auf unserer Checkliste abgehakt. Und auch wenn uns die Planungen hin und wieder einiges an Arbeit und Geduld abverlangt haben, ist es doch jede Mühe wert, um unseren Traum von Alaska leben zu können! 

Stay tuned.

4 Gedanken zu “Kapitel 2: Ein Leben zwischen Planung, Papieren und Packlisten

  1. schön euch kennengelernt zu haben und nun alles gute und beste für euch und euer vorhaben !!
    gruss von thomas aus wolfsburg ( fahrtrainer autostadt )

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