Kapitel 9: Bis zum Nordpol und noch weiter

Alaska-Expedition, Unterwegs

Guten Morgen aus Kanada! Nach nun 4 Tagen Internet-Abstinenz melden wir uns wieder zurück und wenn ihr die folgenden Zeilen lest, werdet ihr verstehen, warum wir kurzzeitig unerreichbar waren…

Unser weiter Weg nach Norden führte uns schließlich nach Delta Junction und damit auch an das offizielle Ende des Alaska Highway. Der „Highway“ ist im Rückblick betrachtet zwar nicht mehr als eine 2-spurige Schlagloch-Piste, dafür brachte er uns jedoch endlich ins lang ersehnte Alaska (Haines war ja nur ein kleiner Vorgeschmack auf das große Land…)! In Delta Junction begegneten wir dann auch zum ersten Mal der legendären Alaska-Pipeline, die das kostbare Öl aus dem hohen Norden bis in den südlichsten Zipfel von Alaska befördert. Und auch wenn man kein Freund des schwarzen Öls ist, kommt man nicht umhin zu erkennen, welche gigantische Meisterleistung in diesen 800 Meilen der Planung, Konstruktion und Arbeit steckt.

Die Pipeline blieb von nun an unser stetiger Begleiter, denn unsere Route führte – genau wie dieses wahnsinnig lange Rohr – immer weiter in Richtung nördlichster Norden oder besser gesagt: in Richtung Deadhorse, Alaska. Auf dem Weg dorthin kamen wir schließlich auch durch ein kleines Örtchen namens Nordpol und waren damit, ohne es überhaupt geplant zu haben, mitten in das Zuhause von Santa Claus geschneit. Ich kann es zwar immer noch nicht so recht fassen, aber ich habe es nach nun 23 1/2 Jahren doch tatsächlich geschafft, ein Foto mit dem Weihnachtsmann zu machen. Merry Christmas!

Nach dieser fröhlich-winterlichen Überraschung ging es weiter in den Norden und damit noch tiefer in die wirklich kalte Jahreszeit, als ich je gedacht hätte. Hier oben wird das Land rauer und die Menschen mit ihm. Die letzte Tankstelle für sehr sehr viele Kilometer, eine Familie, die 2 Wochen in die dunkelsten Wälder fährt und ein einsames Schild mit den Worten „Welcome to the James Dalton Highway“ erinnern uns daran, warum wir hier sind. Dieser harte und kalte Norden war von Anfang an unser Ziel: Das wahre Alaska.

Vor uns lagen nun 414 Meilen auf einer der gefährlichsten Straßen der Welt. Und das bedeutete vor allem: Schlamm, Dreck und ganz viele Schlaglöcher. Der Dalton Highway forderte sowohl uns, als auch unseren Amadeus heraus und sollte uns bald auch unsere Grenzen aufzeigen. Bis dahin wurden wir jedoch überwältigt von einer derart ursprünglichen und unberührten Natur, wie wir sie nur selten zuvor gesehen hatten.

Das Wetter war glücklicherweise wieder auf unserer Seite und so überquerten wir an nur einem Tag die einzige Yukon-Brücke in Alaska, den magischen Polarkreis und den höchsten Highway-Pass des Landes (Der Atigun-Pass mit einer Höhe von 1.450 Metern). Der Lohn für die viele und anstrengende Fahrerei war eine traumhafte Postkarten-Kulisse mit gezuckerten Schnee-Bergen in eisiger Höhe und das ganz besondere Gefühl von Einsamkeit und Ruhe.

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Auf den erlebnisreichen Tag folgte eine harte Nacht. Als wir unser Dachzelt kurz hinter dem Pass auf einem abgelegen Stellplatz aufbauten, fing es bereits leicht zu regnen an. Wir verkrochen uns dennoch in unsere Schlafsäcke und versuchten einfach die Augen zu schließen. Der Regen wurde allerdings immer stärker, es schüttete die ganze Nacht wie aus Eimern und in den frühen Morgenstunden kamen schließlich noch heftige Sturmböen dazu, die die dünnen Wände unseres Dachzeltes erzittern ließen. Nach einigen schlaflosen Stunden beschlossen wir dann, uns in unser Auto zurückzuziehen, bis es hell genug wurde, um das Zelt wieder abzubauen. Kurz nach Sonnenaufgang standen wir dann also auf einem ungeschützten Parkplatz mitten im allertiefsten Nirgendwo und packten im strömenden Regen unsere Sachen zusammen. Ohne Frühstück und mit halb-erfrorenen Fingern standen wir nun vor einer Entscheidung: Vor uns lag das eigentliche Ziel Deadhorse in greifbarer Nähe, hinter uns wartete ein schwieriger Pass, an dem es die ganze Nacht geschneit hatte. In Anbetracht der schlechten Wetterbedingungen und der ungewissen Straßenlage auf dem Rückweg nach Fairbanks entschieden wir uns schließlich dazu, umzukehren. Nach 277 Meilen erreichten wir unseren nördlichsten Punkt der Reise auf dem Dalton Highway und drehten um, weil Alaska das so wollte. Noch einmal mehr wurde mir an dieser Stelle klar, wie klein der Mensch mit seinen Wünschen ist und wie gewaltig dagegen die allumfassende Natur. Aber dennoch hatten wir so viel erreicht, waren mehrfach über uns hinausgewachsen und machten uns nun im tiefsten Schneegestöber zurück auf den Weg nach Süden.

Wir erreichten Fairbanks am späten Abend – glücklich und dankbar, den gefährlichen Pass erfolgreich hinter uns gebracht zu haben. Die heiße Dusche und das wärmende Essen taten schließlich ihr Übriges und so fielen wir in einen tiefen Schlaf…

 

 

2 Gedanken zu “Kapitel 9: Bis zum Nordpol und noch weiter

  1. Hallo , was soll man da noch kommentieren ? Es ist alles Erlebnis genug für euch drei und lesen tut es sich auch spannend , also noch ne schöne Restzeit für euch und vor allem kommt gesund und pannenlos an eure Ziele, Gruß Thomas

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