Zwischen Wellen und Wind

Die Zeit in der Lodge am nördlichen Ende der Welt vergeht viel zu schnell, obwohl es sich gleichzeitig so anfühlt, als wäre sie stehen geblieben. Nach der eindrucksvollen Gletscherwanderung geht es heute aufs Wasser hinaus: Wir paddeln mit Kajaks durch die Bucht, an meterhohen Eiswänden entlang und um kleine Felseninseln herum. Auf einmal teilt sich der Ozean neben uns und weiße Körper gleiten zum Greifen nah vorbei.

Wir lassen uns still auf der Stelle treiben, sprachlos im Angesicht der Belugawale.

Von diesem magischen Moment gibt es kein Beweisfoto, denn statt das Handy zu zücken, habe ich nur ehrfürchtig mein Paddel gehalten und mich unfassbar klein gefühlt.

Zur Mittagszeit legen wir an einem steinigen Strand an und stärken uns mit dem mittlerweile vertrauten Instant-Menü. Zum Glück gibt es von diesem praktischen Tütenessen ausreichend verschiedene Geschmacksrichtungen, sodass jeden Tag ein neues – überraschend leckereres – Gericht auf uns wartet.

Das Highlight des Tages ist für mich jedoch die Reinigung der Kajak-Bekleidung: Um das Salzwasser von den Anzügen zu waschen, springen wir in den kleinen Gletschersee hinter der Hütte, ein Unterfangen, dass durch die Luft im Anzug zu einem schwebenden Geplantsche wird.

Wir trudeln wie schwerelose, rote Gummipuppen durch den See und haben einen wahnsinnigen Spaß dabei.

Im Anschluss wartet ein Teller voller dampfender Pfannkuchen auf uns: Kann der Tag noch besser werden?

Am nächsten Morgen fegt jedoch ein rauer Wind durch die Bucht, definitiv kein Wetter mehr zum Kajakfahren.

Dafür machen wir heute eine letzte Wanderung durch die einsame Landschaft, bevor es wieder zurück nach Longyearbyen geht. Begleitet vom Rauschen der Brandung geht es zunächst am Strand entlang – dann wagen wir uns erneut in luftige Höhen.

Mein untrainierter Bürojob-Körper hat sich mittlerweile etwas besser an das arktische Gelände gewöhnt, sodass ich fast schon elegant bergauf stapfen kann. Die Aussicht ist wieder mal jede Mühe wert, auch wenn die stürmischen Böen hier oben stärker an meiner Mütze zerren, als unten am Strand.

Auf dem Rückweg zur Lodge bleibt unser Blick jedoch auf dem Boden: Ausgerüstet mit Müllsäcken sammeln wir angeschwemmte Plastikabfälle ein, von Putzmittelflaschen bis hin zu Mund-Nasen-Masken ist traurigerweise alles dabei. Dinge, die an diesem wundervollen Ort so gar nichts verloren haben.

Ebenso traurig macht es mich, nun „Tschüss“ zu sagen.

Tschüss zu diesem traumhaften Haus am Fuße des Gletschers. Zu unseren liebevollen Gastgebern und zu dieser intensiven arktischen Stille.

Während das Boot unten in der Bucht wartet, um uns wieder zurück in die Zivilisation zu bringen, verspreche ich mir, dass ich wieder kommen werde. Irgendwann. Doch bis dahin gibt es noch weitere, eindrucksvolle Orte auf Svalbard zu entdecken: Mehr davon im nächsten Blogpost.

Fortsetzung folgt …

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